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Welches Diagramm für welche Botschaft?

24. Aug.
5 Min. Lesezeit
Im November 2025 haben wir den Baustein EXPRESS von IBCS®  vorgestellt und die erste Regel, die Wahl der passenden Visualisierung, kurz skizziert. Wir wollen diesen Artikel nun vertiefen und die Frage beantworten wann wir den konkret am besten welchen Diagrammtyp auswählen sollen um eine gewünschte Aussage zu unterstützen. Denn die Frage "Welches Diagramm passt zu meinen Daten?" ist die falsche Frage. Die richtige lautet: Welches Diagramm passt zu meiner Botschaft? Dieser Unterschied ist keine Spitzfindigkeit. Wer von den Daten ausgeht, landet fast zwangsläufig beim Standarddiagramm der Software – meistens einer Säule oder schlimmer, einem Kuchendiagramm. Wer von der Botschaft ausgeht, wählt bewusst.

🧩Botschaft zuerst, Diagramm danach


IBCS® unterscheidet nicht "gute" und "schlechte" Diagramme per se, sondern fragt: Zu welchem Botschaftstyp gehört das, was ich zeigen will? Jede betriebswirtschaftliche Aussage lässt sich einer von wenigen Grundkategorien zuordnen – und jede Kategorie hat ihre natürlichen Diagrammtypen. Wer diese Zuordnung kennt, muss nicht mehr raten.


📊Neun Botschaftstypen – und ihre Diagramme


IBCS® beantwortet die Frage "welches Diagramm" nicht mit einer beliebigen Liste, sondern mit einer klaren Matrix. Sie unterscheidet zuerst nach der Kategorienachse:


Diagrammtypen

  • Zeitreihen (horizontale Kategorieachse, Zeit von links nach rechts) – Werte werden als Säulen dargestellt. Die Unterscheidung in Data Points (einzelne Werte je Periode als Säulen wenn die Einzelwerte relevant sind) und Patterns (der Verlauf als durchgehende Linie oder Fläche, wenn der Trend im Vordergrund steht).

  • Struktur (vertikale Kategorieachse) – Werte werden als Balken dargestellt, typisch für Vergleiche zwischen Produkten, Ländern, Kostenstellen oder Kanälen.


Quer dazu liegt die eigentliche Aussage. IBCS® unterscheidet neun Varianten, die für Zeitreihen wie für Strukturvergleiche gleichermassen gelten – von der einfachsten bis zur am stärksten verdichteten Form


Standard – Frage: Wie hoch ist ein Wert – ganz ohne weitere Verdichtung? Die Grundform jeder Analyse: ein Wert je Periode oder je Kategorie, ohne Stapelung, Indexierung oder Farbcodierung. Meist der erste Schritt, bevor eine Botschaft weiter verdichtet wird – und bei Bedarf zusätzlich sortiert, wenn die Aussage eine Rangfolge ist. Beispiel: Umsatz je Monat als Säule, Aktienkurs als Linie, oder Deckungsbeitrag je Produktkategorie als absteigend sortierter Balken.

Zeitreihe mit Säulen
Standard, Zeitreihe (Data Points): ein Wert je Monat als Säule.
Zeitreihe mit Linien
Standard, Zeitreihe (Patterns): der Kursverlauf steht im Vordergrund, nicht der Einzelwert.
Struktur mit Balken
Standard, Struktur: einfaches Balkendiagramm, hier zusätzlich sortiert, um eine Rangfolge zu zeigen.

Akkumulation (Stacked) Frage: Wie setzt sich eine Summe aus mehreren Teilen zusammen? Mehrere Datenreihen werden übereinandergestapelt: Die Gesamthöhe zeigt die Summe, die Segmente zeigen die Zusammensetzung. Beispiel: Profit je Standort, aufgeteilt nach Products und Services.

Stacked Balkendiagramm
Akkumulation, Struktur: gestapeltes Balkendiagramm mit zwei Segmenten je Kategorie.

Teil-vom-Ganzen (Normalized) Frage: Wie gross ist der Anteil eines Teils am Ganzen – unabhängig von der absoluten Grösse? Wie Akkumulation, aber auf 100 % normiert. Damit lassen sich Strukturen über Perioden oder Kategorien hinweg vergleichen, auch wenn die absoluten Werte stark variieren. Beispiel: Kostenstruktur (Personal-, Material-, Fixkosten in % der Gesamtkosten) über mehrere Jahre hinweg.


Teil vom Ganzen Diagramm
Teil-vom-Ganzen: wie Akkumulation, aber auf 100 % normiert – rechts oben markiert die Spitze der Marke “100”.

Referenz (Indexed) Frage: Wie hat sich ein Wert relativ zu einem Basiszeitpunkt oder einer Basiskategorie entwickelt? Werte werden auf eine Basis indexiert (= 100), sodass die relative Veränderung sichtbar wird – nicht die absolute Grösse. Beispiel: Marktkapitalisierung zweier Unternehmen, indexiert auf Oktober 2025 = 100.


Referenzdiagramm
Referenz, Zeitreihe: beide Linien starten bei 100 (= Oktober 2025), die weitere Entwicklung zeigt die relative Veränderung.

Beitrag (Basic Waterfall) Frage: Wie setzt sich eine Summe aus positiven und negativen Effekten zusammen? Das Wasserfalldiagramm ist der Spezialist für diese Botschaft: Es zeigt Ausgangswert, Treiber und Endwert in einer durchgehenden Linie. Beispiel: Brückendiagramm einer Erfolgsrechnung von Sales zu Profit after Tax über die einzelnen Kosten- und Ertragspositionen.


Wasserfall mit Balken
Beitrag, Struktur: Wasserfalldiagramm einer Erfolgsrechnung.

Datenreihenvergleich (Grouped) Frage: Wie unterscheidet sich ein Wert zwischen zwei Szenarien in derselben Kategorie? Zwei Szenarien (z. B. AC und PL) werden nebeneinander dargestellt – entweder als gruppierte Säulen/Balken oder, platzsparender, mit Referenzdreiecken für die Vergleichsgrösse. Beispiel: Sales AC vs. PL je Jahr, 2021–2025.


Gruppiertes Säulendiagramm
Datenreihenvergleich, Zeitreihe: oben mit Referenzdreiecken, unten als gruppierte Säulen – beide Varianten zeigen AC vs. PL je Jahr.

Absolute Abweichung Frage: Wie gross ist die Differenz zum Vergleichswert – in absoluten Zahlen? Balken zeigen direkt die Differenz zum Referenzwert, konsequent farbcodiert: grün für positiv, rot für negativ aus Geschäftssicht (nicht rein mathematisch – ein Kostenrückgang ist z. B. grün, auch wenn die Zahl negativ ist). Beispiel: Net Sales AC vs. Budget je Region, als farbcodierte Abweichungsbalken statt in einer separaten Tabelle.


Absolute Abweichung Säulendiagramm
Absolute Abweichung, Zeit mit farbcodierter Abweichung.
Absolute Abweichung Balkendiagramm
Absolute Abweichung, Struktur mit farbcodierter Abweichung.

Relative Abweichung (Pins) Frage: Wie gross ist die Abweichung in Prozent? Dieselbe Aussage wie bei der absoluten Abweichung, aber als dünne “Pins” statt als Balken dargestellt – platzsparender, wenn viele Perioden oder Kategorien nebeneinanderstehen. Beispiel: Sales und Cost, ΔPL % je Periode.


Relative Abweichung mit Pins
Relative Abweichung, Zeitreihe: Pin-Chart mit grün/roter Farbcodierung der Plan-Abweichung.

Beitrag zur Abweichung (Waterfall) Frage: Welche Treiber erklären eine Abweichung? Ein Wasserfalldiagramm zerlegt eine Abweichung – etwa AC vs. Vorjahr – in ihre einzelnen Treiber je Periode oder Kategorie. Beispiel: Sales AC 2026 vs. Vorjahr, zerlegt nach Quartalen.


Wasserfall Säulendiagramm

Sonderfall und daher ausserhalb der Matrix: Charts mit zwei Werteachsen Nicht jede Aussage lässt sich einer Zeitreihe oder Struktur zuordnen. Wenn zwei Kennzahlen zueinander in Beziehung gesetzt werden sollen – etwa Marge und Umsatz –, braucht es zwei Werteachsen: Streu- oder Blasendiagramme.


Scatterdiagramm
Scattergram: Zusammenhang zwischen Marge und Umsatz je Business Line.

🔦Eine praktische Entscheidungshilfe

Wer unsicher ist, kann sich an dieser einfachen Frage orientieren: “Wenn ich diese Aussage jemandem laut vorlesen würde – welches Wort trägt die Botschaft?”


Ich will zeigen …

… typisches Signalwort

IBCS-Aussage

Diagrammtyp

eine Veränderung über die Zeit

“steigt”, “sinkt”, “seit”

Standard

Säulen-/Liniendiagramm

eine Zusammensetzung

“davon”, “besteht aus”

Akkumulation

gestapeltes Balken-/Säulendiagramm

einen Anteil am Ganzen

“Anteil”, “in % von”

Teil-vom-Ganzen

normiertes gestapeltes Diagramm (= 100 %)

eine relative Entwicklung gegenüber

“im Vergleich zu Basisjahr”

Referenz

indexiertes Diagramm

eine Reihenfolge

“am meisten”, “Top 5”, “schlechteste”

Standard, sortiert

sortiertes Balkendiagramm

eine Herleitung einer Summe

“davon getrieben durch”, “Brücke”

Beitrag

Wasserfalldiagramm

eine Abweichung (absolut)

“über/unter Plan”, “Differenz zu”

Absolute Abweichung

farbcodierte Balken

eine Abweichung (relativ)

“in % ggü. Plan”

Relative Abweichung

Pins

eine Abweichung, in Treiber zerlegt

“getrieben durch”, “davon”

Beitrag zur Abweichung

Wasserfall grün/rot

einen Zusammenhang zweier Grössen

“hängt ab von”, “korreliert mit”

(ausserhalb der Matrix)

Streu-/Blasendiagramm


🧭Fazit: Die Wahl des Diagrammtyps ist keine Frage des Geschmacks

Die Wahl des Diagrammtyps ist kein Geschmacksurteil – sie folgt zwingend aus der Aussage. Sobald klar ist, ob eine Zeitreihe oder eine Struktur im Vordergrund steht und welcher der neun Botschaftstypen zutrifft, ergibt sich die passende Diagrammform fast von selbst.


Diese Systematik ersetzt den Reflex, zum Standarddiagramm der Software zu greifen oder einer zufällige Auswahl nach Geschmack, durch eine bewusste, in Sekunden zu treffende Entscheidung.


Der eigentliche Gewinn dabei ist nicht ein hübscheres Diagramm, sondern eines, das ohne Rückfragen und ohne Fehlinterpretation verstanden wird – von der ersten Managementfolie bis zum monatlichen Standardreport. Genau das ist der Kern -


Diagramm folgt der Botschaft, nicht umgekehrt.



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